Was ist ICF und warum sollte das für B2B-Anbieter von Bedeutung sein?
Die ICF ist ein von der Weltgesundheitsorganisation entwickeltes Rahmenwerk, das dabei helfen soll, die Funktionsfähigkeit des Menschen auf standardisierte Weise zu bewerten und zu beschreiben. Dabei wird untersucht, wozu eine Person fähig ist, womit sie Schwierigkeiten hat und inwiefern ihr Umfeld sie dabei unterstützt oder behindert. Im Gegensatz zu einer medizinischen Diagnose legt die ICF den Schwerpunkt auf die Funktionsfähigkeit im Alltag.
Beispielsweise kann eine ältere Person mit leichter Parkinson-Erkrankung zwar noch gehen, hat jedoch eine eingeschränkte Ausdauer und ein vermindertes Gleichgewicht. Das bedeutet, dass sie nicht unbedingt einen vollelektrischen Rollstuhl benötigt – könnte jedoch von einem mittelgroßen Mobilitätsroller mit guter Stabilität und benutzerfreundlichen Bedienelementen erheblich profitieren.
Der Einsatz der ICF-Kernsets in der Praxis
ICF-Kernsätze sind vordefinierte Auswahlen der relevantesten ICF-Kategorien für bestimmte Gesundheitszustände oder Bevölkerungsgruppen – wie beispielsweise ältere Menschen. Sie umfassen Bereiche wie:
- Mobilität (z. B. Gehen, Positionswechsel)
- Selbstversorgung (z. B. Waschen, Anziehen)
- Alltag (z. B. Essen zubereiten, Einkaufen)
Indem sie diese mit Produktmerkmalen verknüpfen, können B2B-Anbieter Lösungen anbieten, die den Bedürfnissen der Endnutzer wirklich gerecht werden.
Schritt für Schritt: Von der Bewertung bis zur Auswahl
Schritt 1: Funktionsbeeinträchtigungen ermitteln
Sprechen Sie mit dem Händler, der Pflegekraft oder dem medizinischen Fachpersonal, um einen Einblick in den Alltag des Nutzers zu gewinnen. Mögliche Fragen sind beispielsweise:
- Wie weit kann der Nutzer ohne Hilfe gehen?
- Können sie Treppen, Steigungen oder unebenes Gelände bewältigen?
- Wie leicht fällt es ihnen, sich hinzusetzen und aufzustehen?
Schritt 2: Anwendungsszenarien definieren
Ist der Roller hauptsächlich für den Gebrauch in Innenräumen, für Fahrten in der Nachbarschaft oder für längere Ausflüge im Freien gedacht? Wird er im Auto transportiert? Zum Beispiel:
- Für enge Räume: kompakte 3-Rad-Roller
- Für den täglichen Einkauf im Freien: Vierrad-Roller mit Korb und Beleuchtung
- Für gemischtes Gelände: größere Räder, Federung und höhere Akkukapazität
Schritt 3: An die Eigenschaften des Rollers anpassen
So lassen sich bestimmte ICF-basierte Bedürfnisse mit den Eigenschaften von Mobilitätsrollern in Verbindung bringen:
ICF-basierter NeedScooter – Merkmale: Begrenzte Gehausdauer, Lange Batteriereichweite, Schlechtes Gleichgewicht, Breiter Radstand und Kippschutzräder, Schwierigkeiten beim Bücken, Drehbarer Sitz und verstellbare Armlehnen, Geringe Handkraft oder Zittern, Ergonomischer Lenker mit griffigem Gashebel
Schritt 4: Berücksichtigen Sie die Umgebung
Genau wie beim ATA-Modell spielt der Kontext eine wichtige Rolle. Bewerten Sie den Zustand der Gehwege, die Hauszugänge, die Größe der Aufzüge und die Möglichkeiten zur Unterbringung der Roller. Ein großartiger Roller in einer ungünstigen Umgebung wird die Nutzer frustrieren.
Schritt 5: Persönliche Vorlieben respektieren
Ältere Menschen greifen eher zu einem Produkt, das ihnen ein Gefühl von Würde vermittelt, stilvoll ist und sich leicht pflegen lässt. Anbieter sollten Folgendes anbieten:
- Farboptionen
- Einfache Anzeigen
- Leicht austauschbare Akkus oder Körbe
Fazit: Theorie und Praxis miteinander verbinden
Das ICF-Rahmenwerk muss nicht unbedingt einschüchternd wirken. B2B-Anbieter können es nutzen, um praktische Gespräche mit Partnern und Kunden zu strukturieren. Indem sie beobachtbare funktionale Herausforderungen mit konkreten Produktfunktionen verknüpfen, können Anbieter Lösungen anbieten, die die Unabhängigkeit der Nutzer verbessern, Abbruchraten senken und langfristiges Kundenvertrauen aufbauen.
Letztendlich geht es darum, sich von einem einheitlichen Vertriebsansatz zu lösen und zu personalisierten Mobilitätslösungen überzugehen, die die Nutzer aktiv und engagiert halten.